7. Warum kann ein niedriger Blutdruck schaden?

Die gute Nachricht vorweg: Niedriger Blutdruck ist im Gegensatz zum Bluthochdruck (siehe 5. Warum ist Bluthochdruck schädlich?) nicht lebensgefährlich und kann sogar vor Herzinfarkt oder Schlaganfall schützen. Bei Patienten mit Herzproblemen kann ein zu niedriger Blutdruck allerdings zu Müdigkeit, Schwindelanfällen und Konzentrationsstörungen führen. Weitere Symptome bzw. Beschwerden können sein: Erschöpfung,  Kopfschmerz, Depressionen oder Sehstörungen. Gegen niedrigen Blutdruck helfen Sport, Kneipp oder sogar Koffein.

Niedriger Blutdruck – Arterielle Hypotonie

Die zweite gute Nachricht: Niedriger Blutdruck ist nur ein Messwert und keine Erkrankung. So ist der Messwert bei Frauen (unter 100/60 mmHg) und Männern (unter als 110/70 mmHg) verschieden – ein normaler Blutdruck liegt bei 120/80 mmHg. Die Beschwerden, die ein zu niedriger Blutdruck auslösen kann, sind demnach von Mensch zu Mensch verschieden. Sensible Menschen leiden bereits bei Werten über 100/60mmHg an Schwindel oder Benommenheit.

Angeborener Blutdruck – Essenzielle Hypotonie

Von der essenziellen bzw. primären Hypotonie sind meistens junge und schlanke Frauen betroffen. Oft vererbt die Mutter die Krankheit an die Tochter. Warum, ist bis heute ungeklärt. Sicher ist, dass die essenzielle Hypotonie vor weitaus gefährlicheren Erkrankungen schützen kann und somit das Risiko senkt für eine Verkalkung der Blutgefäße (Arteriosklerose), Erkrankung der Herzkranzgefäße (koronare Herzerkrankung), Verengung der Arterien (periphere arterielle Verschlusskrankheit) wie auch für Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Eine sekundäre Hypotonie ist Folge einer Erkrankung oder auf Medikamente zurückzuführen.

Krankheiten, die einen niedrigen Blutdruck auslösen können:

  • Unterfunktion
  • der Schilddrüse (Hypothyreose)
  • der Hirnanhangdrüse (Hypophysenvorderlappen-Insuffizienz)
  • der Nebennierenrinde (Addison-Krankheit)
  • Herzerkrankungen
  • Rhythmusstörungen
  • Herzinsuffizienz,
  • Perikarditis
  • Weitere
  • Lange Bettlägerigkeit
  • Flüssigkeitsmangel (Hypovolämie)
  • Salzmangel (Hyponatriämie)

Medikamente, die eine Hypotonie verursachen können:

  • Psychopharmaka (gegen Depressionen)
  • Vasodilatanzien (gefäßerweiternde Mittel)
  • Antihypertonika (gegen Bluthochdruck)
  • Antiarrhythmika (gegen Herzrhythmusstörungen)

Orthostatische Hypotonie

Bei der orthostatischen Hypotonie (Orthostase = aufrechtes Stehen) entstehen Schwindel oder Ohnmacht durch eine Unterversorgung des Gehirns mit Blut: Beim Raschen aufstehen versackt das Blut in den unteren Extremitäten. Ob in solchen Fällen eine sekundäre Hypotonie vorliegt, kann mit dem Schellong-Test geklärt werden. Bei diesem Test werden Blutdruck im Liegen wie im Stehen getestet: Zuerst liegt der Patient 10 Minuten flach und ruhig, der Kreislauf erreicht ein stabiles Niveau, ab der 11. Minute steht der Patient rasch auf und bleibt stehen; jede Minute werden Blutdruck und Herzfrequenz gemessen. Beim Aufstehen steigt der Puls um 10 bis 20 Schläge pro Minute, der obere Blutdruckwert fällt leicht ab, der untere Blutdruck steigt leicht an. Dieses Ergebnis spricht gegen eine Kreislaufstörung. Eine orthostatische Hypotonie ist sehr wahrscheinlich, wenn im Stehen der Blutdruck stark abfällt.

Niedrigen Blutdruck steigern mit Sport und gesunder Ernäherung

Die dritte gute Nachricht: Niedriger Blutdruck lässt sich steigern.

Ohne Medikamente:

Salzen und Essen

Salz bindet Flüssigkeit im Körper und steigert so den Blutdruck. Ebenso helfen kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, da große Mahlzeiten das Blut im Verdauungstrakt binden.

Trinken

Zwei bis drei Litern erhöhen den Druck in den Adern. Umso Flüssigkeit in den Adern zirkuliert, desto höher ist auch der Blutdruck.

Alkohol hingegen ist kontraproduktiv: Alkohol zerstört Nerven und erhöht den Flüssigkeitsverlust, da er die Ausscheidung von Flüssigkeit anregt.

Sport

Ausdauersport oder Krafttraining schützen vor Bludruckschwankungen.

Kneipp

Wassertreten oder kalte Aufgüsse regen das sympathische Nervensystem an und steigern so den Blutdruck. Heiße Bäder hingegen senken den Blutdruck und führen wieder zu Schwindel oder Ohnmacht.

Schlaf und Strümpfe

Ein aufgerichteter Oberkörper im Schlaf, etwa durch mehr Kissen, verhindert nächtlichen Bluthochdruck und Schwindelanfälle am morgen. Kompressionsstrümpfe verhindern das Versacken von Blut und somit wieder Schwindelanfälle, da der Blutstrom zum Herzen erhöht werden kann.

Generell sollten man erste Vorzeichen für einen niedrigen Blutdruck ernst nehmen: Schwindel, Schweißausbrücher oder Herzrasen gehen meistens einem Ohnmachtsanfall voraus. In solchen Fällen am besten knien oder hocken, bevor der Druck abfällt und es schwarz vor Augen wird.

Mit Medikamenten lässt sich der Blutdruck auch steigern: Schwindel, Ohnmacht oder andere Beschwerden können geheilt werden. Paradoxerweise kann eine medikamentöse Therapie aber auch zu Bluthochdruck führen. Daher sollten zuerst alle Möglichkeiten einer nicht-medikamentöse Therapie ausgeschöpft werden. Die gängisten Wirkstoffe sind: Sympathomimetika, Fludrocortison, Dihydroergotamin, Erythropoetin.